Dissertationsprojekt

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"Unternehmen als Adressaten der sozialen Frage. Wandel der Wohlfahrtsproduktion im deutsch-britischen Vergleich“ (Arbeitstitel)

Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, die sozialpolitische Rolle von Unternehmen am Beispiel der Energiegrundversorgung im deutsch-britischen Vergleich zu untersuchen. Unter den Bedingungen der europäischen Liberalisierung erfolgt die konkrete Leistungserbringung im Bereich der öffentlichen Energiegrundversorgung verstärkt durch Unternehmen unter Marktbedingungen. Insofern kommt es in zentralen Bereichen der öffentlichen Grundversorgung zu Spannungen zwischen der wirtschaftlichen Logik des Marktes (Wettbewerb und Gewinnorientierung) und der gesellschaftspolitischen Logik der Grundversorgung (Universalität und Inklusion).

Die Liberalisierungspolitik der Europäischen Kommission führt in den beiden untersuchten Wohlfahrtsstaaten zu bislang unterschiedlichen Konsequenzen: Während sie im liberalen Großbritannien politische und gesetzgeberische Regulierungsbestrebungen hervorbringt, die Unternehmen der öffentlichen Grundversorgung sozialpolitische Aufgaben zur Bekämpfung von „Energiearmut“ zuweisen, kommt es unter den Bedingungen des korporatistischen deutschen Wohlfahrtsregimetyps zu einer Deregulierung in der öffentlichen Grundversorgung.

Von besonderem Interesse ist, wie Unternehmen in der öffentlichen Grundversorgung vor dem Hintergrund verschiedener nationaler Wohlfahrtsregimetypen ihre sozialpolitische Bedeutung und Rolle deuten und ausgestalten und dabei in klassische Bereiche der sozialstaatlichen Daseinsvorsorge integriert werden.

Dafür wird eine Politikfeldanalyse der öffentlichen Energiegrundversorgung auf der Ebene der EU sowie der Nationalstaaten, und Fallstudien von Energieunternehmen in Deutschland und Großbritannien durchgeführt.

English version

„Companies as addressees of the social question. Institutional change in welfare regimes in Germany and Great Britain“ (working title)

The purpose of this dissertation is to analyse the socio-political role of energy companies in the fields of basic energy supply in a comparative perspective between Germany and the UK.

The liberalisation of the European energy markets is based on the EU Internal Market Directive on Energy from 1996. While the UK already liberalised the energy market in 1989, Germany transposed the new legislation into national law in 1998. Whereas the UK is the only European country with a dedicated policy on fuel poverty, this topic is not on the political nor societal agenda in Germany. This is surprising, looking for instance on the total numbers of disconnections (2014: Germany: appr. 350.000, UK: less than 1.000).

Within the European Union, Germany and the UK are considered to be prototypes of different approaches of ‘worlds of welfare capitalism’ and ‘political economies’ and are therefore ideal countries to analyse the socio-political role of companies under different conditions.

Using policy field analysis and qualitative case studies of German and British energy companies, this dissertation aims to analyse how companies in the field of basic services are confronted with social issues (“fuel poverty”) and how they are integrated and responding to welfare state institutions.