Projektbeschreibung

Die Auswirkungen des Klimawandel sind in allen Regionen der Welt nachgewiesen, aber gerade dort besonders stark, wo Menschen kaum etwas zum Klimawandel beitragen. Zugleich fehlen in diesen Regionen häufig die Ressourcen, um sich an klimatischen Änderungen anzupassen. Die internationale Gemeinschaft trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie dem sogenannten Globalen Süden umfangreiche Finanzhilfen zugesagt hat, um lokale, regionale und nationale Anpassungsmaßnahmen zu unterstützen. Die bisher bereitgestellten Mittel liegen aber weit unter dem, was dort aktuell benötigt wird. Und mit zunehmendem Klimawandel werden die Anpassungskosten massiv ansteigen. Zudem führt ein großer finanzieller Nord-Süd Transfer allein nicht dazu, dass sich Menschen und Gesellschaften erfolgreich an den Klimawandel anpassen können. Die Gelder müssen auch zweckmäßig und sinnvoll eingesetzt werden. 

Wie also sollen die vorhandenen Gelder verteilt werden, so dass Anpassung gelingen kann? Wer hat den größten Anspruch auf die Gelder bzw. was ist eine gerechte Verteilung angesichts großer Knappheit und ganz unterschiedlicher klimatischer Gefahren? Zur Beantwortung dieser Fragen wollen wir durch unser Projekt adjust beitragen.

Adjust besteht aus fünf Arbeitspaketen (AP). AP1 untersucht wie Gelder zur Anpassung an den Klimawandel derzeit verteilt werden. U. a. mit Hilfe von Interviews wollen wir herausfinden, aus welchen Gründen bi- und multilaterale Geber und Regierungen von Empfängerländern welche Verteilungsentscheidungen treffen. AP2 ermittelt, was eine gerechte Verteilung von Anpassungsfinanzierung kennzeichnet. Hierzu bezieht es Theorien prozeduraler und distributiver Gerechtigkeit auf Verfahren und Kriterien die in der Finanzierung von Anpassung eine Rolle spielen oder deren Verwendung vorgeschlagen wird. Zwei weitere AP nehmen spezifische Verteilungskriterien, Vulnerabilität und Demokratie, genauer unter die Lupe. AP3 soll am Beispiel des Meeresspiegelanstiegs auf den Seychellen herausfinden, ob und wie Vulnerabilität bei einer bereichsbezogenen, regional begrenzten Anwendung sinnvoll „gemessen“ bzw. operationalisiert werden kann. AP4 wiederum untersucht, ob und wie das Ausmaß demokratischen Regieruns in Ländern des Globalen Südens bei der Verteilung von Anpassungsgeldern berücksichtigt werden sollte. AP5 trägt die Ergebnisse aus AP1-4 zusammen, bestimmt zentrale Elemente, die eine gerechte und zugleich praxistaugliche Verteilung kennzeichnen, und entwickelt Vorschläge, wie derzeitige Vergabepraxen in diesem Sinne verbessert werden können.

Die Untersuchungen erfolgen unter Berücksichtigung der vielfältigen Erfahrungen und Erkenntnisse, die in der Entwicklungszusammenarbeit hinsichtlich Nord-Süd Transfers gewonnen werden konnten. Ebenso scheint ein Blick auf Diskurse und Praxen zu lohnen, in denen die gerechtfertigte Priorisierung von Ansprüchen bereits erprobt und theoretisiert worden ist. Wir denken hier insbesondere an die Verteilung knapper Ressourcen in Gesundheitswesen und Medizin.

Die inter- und transdisziplinäre Forschung im Rahmen von adjust gestalten wir in enger Kooperation mit Partnern. Zunächst sind Prof. Carola Klöck von der Sciences Po in Paris und Prof. Athanasios Vafeidis von der CAU Kiel zu nennen, welche AP1 (Klöck) und AP3 (Vafeidis) verantworten. Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) mit Sitz in Bonn und Prof. Christian Martin von der CAU Kiel unterstützen uns insbesondere bei AP1. In AP3 arbeiten wir mit dem Ministerium für Agrar, Klimawandel und Umwelt der Seychellen, der NGO Sustainability for Seychelles (S4S) und PD. Dr. Jochen Hinkel vom Global Climate Forum in Berlin zusammen. Und in AP4 kooperieren wir mit Prof. Anna Lührmann von der Universität Göteborg. Die Expertise des internationalen Think Tanks Climate Analytics ist wiederum für mehrere AP gleichermaßen relevant.